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Der Kirchschlager Frauenkäfig

Die bekannte Geschichte vom Frauenkäfig ist eine alte Kirchschlager Volkssage, die erstmals im Jahre 1820 in folgender Form publiziert wurde:
Der Herr von Puchheim war auch auf der Kreuzfahrt, viele Jahre. Längst hatte das Gerücht seinen Tod verkündet. So ergab sich denn seine schöne junge Gattin in Liebe einem Edelherrn aus der nahen Steiermark hin. Auf einmal brachten vorauseilende Ritter der Burgfrau die Schreckenspost der Wiederkehr des Gemahls aus allen Abenteuern und Gefahren und wie er ihnen, auf dem Fuße nachfolge! – Die Puchheimerin warf sich in Trauerkleider, verhüllte das Haupt mit einem langen schwarzen Schleier, um bei seinem Eintritt zu seinen Füßen ihr übereilendes Vergehen auf die falsche Nachricht seines Todes zu bekennen. – Er blieb ungerührt, er vergab nicht, sondern schloss sie in einen eisernen Käfig und hing denselben, an starken Eisenklammern und Stangen befestigt, zu einem Fenster des Rittersaales hinaus. – Erst in den Zeiten des dreißigjährigen Krieges soll der Käfig von dieser Stelle weggekommen sein; noch in unseren Tagen waren mehrere der Klammern und Stangen teilweise noch übrig und die Stelle, wo er in die Mauer eingelassen gewesen war, vollkommen kenntlich. – Der steirische Edelherr war im Augenblicke der Ankunft Puchheims nicht auf Kirchschlag gewesen, sondern nach Pitten und Neustadt gezogen. Der Puchheimer ereilte ihn und es entstand zwischen ihnen, im Föhrenwald bei Neustadt, der grimmigste Kampf auf Leben und Tod. Den fanden sie beide. Denn als sie zuletzt nach langem, unentschiedenen Streit von den Pferden sprangen, erhielt Puchheim von des Gegners kräftigem Stoß die Wunde, an der er hinsiechte und starb. Dennoch rang er seinen Widersacher noch zur Erde, entriss ihm das Schwert, riss ihm den Helm vom Haupt und erwürgte ihn mit dem Zaum seines eigenen Rosses.

Die fruchtlosen Versuche die alte Volkssage, die ja lange Zeit als wahr angesehen wurde, mit der Kirchschlager Geschichtsschreibung in Einklang zu bringen, führten im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu wiederholten inhaltlichen Änderungen des Sagenstoffes. Bereits in einer Publikation der Sage aus dem Jahre 1830 wurde die Geschichte, die ursprünglich ja im Mittelalter während der Kreuzzüge spielte, in die Zeit der Türkenkriege des 16. Jahrhunderts transferiert und mit einer anderen Sage über einen angeblichen Bruderkampf unter den Puchheimern kombiniert. Laut dieser Bruderkampf-Sage wurde der Besitzer des Schlosses Krumbach, Erasmus von Puchheim, im Zuge eines Streites von seinem gewalttätigen Bruder Hans Christoph, dem Burgherrn auf Kirchschlag, im Zweikampf getötet. Das Motiv der feindlichen Brüder war eine beliebte Wandersage, bei der eben bekannte Namen aus der Lokalgeschichte als Protagonisten herhalten mussten. Der Freiherr Erasmus von Puchheim (um 1500–1571) und Hans Christoph Graf von Puchheim (1605–1657) lebten in Wirklichkeit in verschiedenen Jahrhunderten und waren auch nur sehr entfernt miteinander verwandt.
Das Sagenthema fand auch Eingang in die Literatur: 1855 publizierte der Wiener Dichter Johann Nepomuk Vogl eine Ballade unter dem Titel „Der Frauenkäfig zu Kirchschlag“ und 1919 verarbeitete der damalige Kirchschlager Kaplan Adolf Innerkofler die Sagen vom Frauenkäfig und Bruderkampf in seinem bekannten Roman „Die Brüder von Kirchschlag“. (Mag. Franz Wanek, 2016)

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